Zum elften Mal war der Konvoi on Tour

Es sind schon wahnsinnige Zahlen und Fakten, die diese Aktion von Round Table, Old Table und Ladies Circle so auf die Beine stellt. Da packen in ganz Deutschland an so vielen Orten Kinder ein Spielzeug oder Geschenk in einen Karton, hunderte freiwillige Helfer sammeln die Päckchen ein und 100 von Ihnen fahren eine Woche nach Rumänien und in die Ukraine, um Kindern, die ansonsten zu Weihnachten keine Geschenke bekommen, eine Freude zu machen. So war es auch beim elften Konvoi wieder ein grosse Schar an Kindern, die weit über 68.000 Päckchen gepackt haben. Allein in Bayreuth waren über 3.200 Geschenke, zusammen mit den befreundeten Clubs aus Amberg, Kulmbach und Coburg dann mehr als 4.000 Päckchen. An zwei Tagen haben die Bayreuther Tabler von über 70 Schulen, Kindergärten und Sammelstellen die Päckchen mit Lkws abgeholt, von Pegnitz bis Münchberg/Helmbrechts, von Glashütten/Ahorntal bis nach Fichtelberg/Mehlmeisel. In einer abendlichen Aktion bei der Spedition Steinbach, der wir ganz herzlichen Dank aussprechen für die tatkräftige und einzigartige Unterstützung durch die ZurVerfügungStellung der Halle, der Palletten, des Transportes nach Hanau und vor allem der vier Helfer incl. dem Chef persönlich, haben dann über 30 Leute vier Stunden lang sortiert, in grössere Kartons umgepackt, palletiert und gezählt.

In kleines bundesweites Orga-Team unter Führung der Konvoileiterin Nicole Richter hat die 17 Sattelzüge, 3 Reisebusse und 3 Kleinlaster über das Netzwerk der drei Serviceclubs organisiert, darüber hinaus Geldspenden über 100.000 Euro. Es müssen ja auch die Kosten für Diesel, Maut, Zoll, Autobahngebühren etc. gedeckt werden. Freundlicherweise ist der Konvoi in Deutschland mautbefreit, die anderen Länder wie Österreich und Ungarn sind hier leider nicht so entgegenkommend. Und nicht zu vergessen, es konnten auch wieder 100 Helfer gefunden werden, die sich eine Woche Urlaub nehmen, um mitzufahren und zu helfen. Die Kosten für die Verpflegung werden von den Helfern selbst getragen und auch die „roten Konvoijacken“, die als Erkennungszeichen dienen und gleichzeitig im Winter schön warm halten, bezahlt jeder selbst. Die Spenden werden nur für tatsächliche Sachkosten verwendet, somit kommt jeder Cent auch richtig an.

Am 3. Dezember ging es dann los. Am Tag zuvor trafen schon alle Fahrzeuge in Hanau in der Nähe von Frankfurt am Main ein, damit die Papiere erstellt werden. Jeder der Sattelzüge wird gewogen, die Einteilung der Gruppen wird festgelegt. Drei Sattelzüge und ein Reisebus starteten in Richtung Ukraine, die anderen 14 Trucks, zwei Reisebusse und drei Kleintransporter brachen am Samstag morgen in Richtung Rumänien auf. Ich selbst, Hartmut Joost, seit Jahren Mitglied bei Round Table 98 Bayreuth, war bereits 2007 mit dem Konvoi unterwegs und begleitete die Gruppe mit insgesamt 17 Helfern, 4 Sattelzügen und einem Kleintransporter nach Petrosani. Ich wollte mir vor Ort ein Bild machen, was sich geändert hat, mit der Hoffnung, dass sich die Situation vielleicht schon gebessert hat. Kurz hinter der ungarisch-rumänischen Grenze teilten wir uns auf, weitere Touren gingen nach Ilia, Alba Julia, Brasow und Bacao. Leider musste unsere Gruppe nach kurzer Fahrt auf den feldwegartigen Strassen schon einen Zwangshalt einlegen. Eine der Zugmaschinen war defekt. Gut vier Stunden lang versuchten die anwesenden Fahrer und auch ein Mechaniker, der den Konvoi begleitet, das Fahrzeug wieder in Gang zu setzen, leider erfolglos und es musste kurzfristig ein Truck-Service vor Ort gesucht werden. Die anderen drei Sattelzüge setzen die Fahrt nach Petrosani fort, der Kleinbus folgte später nach. Gegen 20 Uhr am Sonntag abend trafen wir dann nach 34 Stunden Fahrt am Haus der Caritas ein. Da wir die Päckchen nicht auf den Anhängern über Nacht lassen können ( vor Jahren wurden die Planen aufgeschlitzt ) musste noch abgeladen werden. Dank der Leiterin der Caritas Nora, die vor Ort sich für die sozialschwachen Familien einsetzt, waren fast 30 Helfer vor Ort und entluden in Rekordzeit die drei Anhänger mit rund 17.000 Weihnachtspäckchen. Es wurde im Haus nach Altersgruppen sortiert und mit deutsch, englisch, italienisch und rumänisch sowie ganz viel Zeichensprache war kurz vor Mitternacht auch das letzte Päckchen im Haus der Caritas untergebracht. Die Anhänger blieben offen, damit sich jeder vom „leeren“ Inhalt überzeugen konnte. Für die Helfer gab es nun ein warmes Essen und das Nachtlager, bestehend aus Behelfsbetten und Matrazen, konnte bezogen werden. Die Mitfahrer und Fahrer wurden so auf vier Zimmer mit je 3 – 5 Personen verteilt. Ein paar der Fahrer nutzten lieber die bequeme Fahrer-Koje im Lkw.

Schon am nächsten Tag in der Früh ging es dann mit Kleintransporten und Pkw nach einem gemeinsamen Frühstück mit den Helfern der Caritas mit dem Verteilen der Päckchen los. Wir besuchten die ersten Kindergärten, Schulen, Waisenhäuser, Krankenhäuser und vor allem auch direkt Familien in ihrem Zuhause. Die Zustände sind sehr schlecht und erschreckend. Viele Häuser sind verfallen. Der Holzboden ist durchgefault, die Menschen leben auf dem blanken Erdboden, die Wände sind bis zum Dachgiebel mit Feuchtigkeit durchzogen, die Dächer sind nicht gedämmt und häufig sogar undicht. Ein verrosteter Ofen steht in einer Ecke und wärmt die meist nur ein oder zwei Zimmer, in denen die kinderreichen Familien leben. Leider sind dies keine Einzelfälle, sondern geschätzt die Hälfte bis zu zwei Dritteln leben in diesen Verhältnissen. Petrosani lebte und lebt vom Kohleabbau, hier wurden in den letzten Jahren einige Bergwerke geschlossen, von ehemals sieben Gruben besteht nur noch eine, die auch noch aufgelöst werden soll. Die Arbeitslosigkeit liegt daher bei rund 70 Prozent. Eine soziale Absicherung wie in Deutschland über Arbeitslosengeld oder Hartz IV besteht nicht. Wenn Arbeit da ist, liegt das Einkommen deutlich niedriger als bei uns, auf der anderen Seite sind Lebensmittel, abgesehen von Gemüse und Obst, so teuer wie in Deutschland. Wir fahren durch Wohngegenden, die von aussen wie Geisterstädte wirken, aber komplett bewohnt sind. Die Situation ist bedrückend. In den Einzelöfen in den Häusern wird nicht nur Holz oder Öl, sondern auch Pappe und anscheinend alles, was brennt, zum Feuermachen genutzt. So hängt auch ein Nebelschleier über den Häusern. Wir sind alle ziemlich erschüttert von der Situation.

Umso schöner sind dann die Momente in der Klassenzimmern und Heimen, wenn die Kinder ihr Weihnachtsgeschenk von uns in die Hand gedrückt bekommen und meist noch vor unseren Augen auspacken. Die Freudentränen sind dann nicht nur bei den Kindern zu finden, sondern auch bei den Helfern. Die Inhalte sind sehr liebevoll verpackt und die Kinder haben eine riesige Freude, ihr Geschenk auszupacken und den Inhalt genau zu untersuchen. In einem Kindergarten öffnet eines der Kinder gleich die Packung mit den „Lollis“ und verteilt diese an alle Kinder in der Gruppe. Kein Neid, sondern Zusammenhalt bestimmt hier das Bild. Ein zehnjähriger Junge zieht sofort den Pullover, Schal und die Mütze aus Wolle in Ringeloptik an, die er in seinem Paket gefunden hat, und strahlt über beide Backen. Ein kleines Mädchen, die Haare aufgrund einer Krankheit ganz kurzgeschoren, grinst mit der neuen Barbie-Puppe in der Hand, entfernt das Staniolpapier vom im Päckchen gefundenen Schokoladennikolaus und beisst genussvoll hinein. In diesem Momenten wird uns allen bewusst, warum wir diese Aktion ins Leben gerufen haben. Mit einfachen Mitteln und mit unserer Zeit und Hilfe wollen wir Kindern helfen, die ansonsten ein Weihnachtsfest ohne Geschenke erleben müssen.

Und unsere Aktion bereitet nicht nur den Kindern vor Ort Freude, auch das Kind, das in Deutschland das Päckchen gepackt hat, freut sich, etwas Gutes zu tun. Denkt an das Kind in Rumänien und der Ukraine, das sich zu Weihnachten über ein Geschenk freut. Wieviele Eltern, Verwandte oder Freunde haben beim Einpacken geholfen und sich damit auch über dieses Paket freuen können. Und vor Ort freuen sich nicht nur die Kinder, sondern Eltern, Grosseltern, Verwandte, Lehrer, Erzieherinnen und viele mehr mit den Kindern über das Weihnachtsgeschenk. Das meist einzige Geschenk, dass es in diesem Jahr zu Weihnachten geben wird. Damit sind es nicht nur über 68.000 Menschen die sich freuen, sondern ein vielfaches mehr ! Demgegenüber wirkt dann der eingangs genannte Aufwand sowie die Zahlen und Fakten vergleichsweise gering.

Kinder helfen Kindern ! Und noch mehr darüber hinaus…

Es war für mich zum zweiten Mal ein ganz besonderes Erlebnis, bestehend aus der wunderbaren Tour auf den Lkws, der Freude beim Einsammeln der Päckchen in Deutschland, aber insbesondere diesem wundervollen Gefühl, dass sich so viele Kinder in Rumänien und in der Ukraine freuen dürfen. Es war ein ganz anderes Weihnachtsfest und zum Schluss steht wieder fest: Auch in 2012 wird es einen Konvoi geben. Auch in 2012 werden wieder viele helfenden Hände und Spender gesucht, damit wir auch in diesem Jahr Kindern ein schönes Weihnachtsfest ermöglichen können.

Helfen Sie uns daher bitte wieder mit einem Päckchen, mit Geldspenden, mit Ihrer Hilfe und mit Ihrem Einsatz, damit der Konvoi 2012 wieder ein Erfolg wird, ein Erfolg für so viele Kinder… jedes von Ihnen hat es verdient.

Round Table Bayreuth bedankt sich bei allen Spendern 2011 und freut sich auf die Unterstützung in diesem Jahr….

Für Sie alles Gute….

Ihr

Hartmut Joost

Unter folgendem Link haben wir Ihnen eine PDF-Präsentation des diesjährigen Konvois zusammengestellt.

Download KONVOI-2011 _ hohe Auflösung (61 MB)

Download KONVOI-2011 _ geringe Auflösung (10 MB)

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